Japanische Kultmarken

Einfach cool

QUALITÄTSBEWUSSTSEIN UND LANGFRISTIGES DENKEN SIND KLASSISCHE JAPANISCHE TUGENDEN. IN DIE SUPERSCHNELLE WELT DER MODE- UND DESIGNMARKEN SCHEINT DAS NICHT ZU PASSEN. EIN IRRTUM: MUJI UND UNIQLO SIND DIE NEUEN KULTMARKEN, GERADE WEIL SIE SO JAPANISCH SIND.

Die Zeiten, in denen es Sommer- und Wintermode gab, sind lange vorbei. Wöchentlich wechseln die Schaufensterpuppen heute ihr Dress. Hippe Marken wie Zara und H&M setzen diesen Trend der „Fast-Fashion“ am effizientesten um. Ihre Scouts befragen auf der ganzen Welt Kunden in den Filialen nach ihrer Kaufentscheidung und schicken die Antworten per Handheld direkt an die Designer, die daraus neue Produktideen kreieren. Klassische japanische Tugenden scheinen in diese superschnelle Modewelt eher nicht zu passen: Hohes Qualitätsbewusstsein ist ein langwieriger Prozess, zu dem die penible Kontrolle von Materialien und Produktionsprozessen gehört. Und in Sachen Design ist langfristiges Denken quasi das Gegenteil des Modetrends …

Langfristiges Denken passt also doch in die Mode – weil die Qualität steigt

Die japanische Marke Uniqlo hat sich dieser Hektik bewusst verweigert – und ist damit nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, zur konservativen Größe geworden, sondern zur Kultmarke aufgestiegen. „Life-Wear“ nennt die Firma selbst diesen Gegenentwurf. Die Designabteilung ist der Forschungsabteilung unterstellt. Aus einem Datenpool wird abgeleitet, was der Kunde will. Für jede Tageszeit gibt es ein passendes Teil. Manche Stücke sind mit leichten Änderungen schon Jahrzehnte  im Portfolio. Was für die Marken der „Fast Fashion“ eine Katastrophe wäre, sehen die Verantwortlichen bei Uniqlo als Chance.  Die Lieferantenverträge können so langfristig ausgestaltet werden, was die Kontrolle über die Produzenten erhöht. Das fördert die Qualität und das verbessert die Arbeitsbedingungen in den Fabriken, was sich wiederum positiv auf das Image auswirkt. Eine Strategie, die funktioniert. In Japan tragen zu  jeder Tageszeit achtzig Prozent der Bevölkerung mindestens ein Uniqlo-Kleidungsstück am Körper. Aber auch wenn die heutigen Fashion-Ikonen zu den Modeschauen in Paris und Mailand pilgern, tragen sie immer wieder einzelne Teile von Uniqlo. Die Qualität von Uniqlo lässt sich eben auch mit Teilen von Chanel oder Yves Saint Laurent kombinieren. Längst gibt es auch in den europäischen Metropolen große Uniqlo-Geschäfte. Österreich soll folgen, in der Zwischenzeit hilft der umfangreiche Online-Store.

Wortspiel mit Aussage: MuJi heißt „keine Marke, aber gute Qualität“

Einfachheit ist auch das Wesen von Muli, einem japanischen Einrichtungs- und Lifestylehaus im Stil von IKEA. Das Konzept von Muji ist, dass die Produkte und vor allem deren Funktionalität im Vordergrund stehen sollen. Nomen est omen. Denn der Name ist die Kurzform von „Mujirushi Ryohin“, was soviel bedeutet wie: „keine Marke, aber gute Qualität“. Deswegen bleiben die Designer im Hintergrund. Wer die Produkte entworfen hat, wird nur in Fachzeitschriften gemunkelt. Doch der Gesamteindruck zeugt von Harmonie. Zwar hat Muji 7.000 Produkte im Angebot, doch die Läden gleichen einer Farbwelle aus Schwarz, Weiß, Silber und Beige. Einzelne Farbtupfer wie das Rosen-Badewasser, das im deutschen Flagshipstore in Berlin zum Verkaufsschlager avancierte, stechen heraus wie Blitze in einer Sommernacht. Muji ist die japanische Wiederbelebung des Bauhaus-Stils – form follows function. Einige Waren werden im Museum of Modern Art in New York und im Viktoria & Albert Museum in London ausgestellt und im Gift-Shop verkauft. Unzählige Designpreise hat das Unternehmen bereits gesammelt. Doch nicht einmal auf den Einkaufstaschen prangt das Logo der Marke. Muli möchte, dass eine Einkaufstour in einer ihrer Filialen auch zu einem Statement wird. Gegen Markengier, für eine einfachere Welt.

Uniqlo und Muji haben geschafft, was eigentlich undenkbar erschien: Gerade die coolsten Branchen – Mode und Design – haben sie mit traditionellen japanischen Tugenden erobert. Qualität und Funktionalität haben sie so konsequent verfolgt, dass sie am Ende zu Kultmarken geworden sind. Ihre vermeintlich einfachen Stücke sind – einfach cool.


ÜBER UNIQLO. Von den rund 1.100 Uniqlo-Geschäften liegen hundert in Tokio. In Europa ist die Verbreitung noch nicht ganz so ausgedehnt. Wer bei Uniqlo einkaufen möchte, muss sich in Städten wie Paris, Berlin, London, Marseille oder Antwerpen umschauen. Die Flagship-Stores sind leicht zu finden, sie liegen immer in der besten Lage der jeweiligen Stadt. In New York beispielsweise übernahm man den Laden von Nike auf der 5th Avenue. Auch online kann bei Uniqlo eingekauft werden. Bestellungen über 60 Euro kommen sogar versandkostenfrei.

ÜBER MUJI. Derzeit gibt es 650 Filialen, davon sind 255 außerhalb von Japan. Da in Österreich noch keine eröffnet hat, empfiehlt es sich, im Urlaub einen Abstecher in einen der Läden zu machen, um kultige Designstücke wie den Ritter oder das Car-Parking-Pocket-Game (beides rechts im Bild) zu shoppen: entweder bei den deutschen Nachbarn in München, Hamburg, Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Köln oder Hannover. Oder in Italien, wo es Stores in Mailand, Rom und Venedig gibt. Auch Metropolen wie Paris, London, Lissabon, Barcelona und Madrid haben bereits eine Muji-Niederlassung. Natürlich hat das Unternehmen auch einen Online-Store.

Fotos: Uniqlo, Muji.

 

zur Übersicht