20 Jahre Prius

Architekten
des Erfolgs
 

 

DIE KONKURRENZ WILL jetzt bei Hybrid NACHZIEHEN. TOYOTA aber hat 20 Jahre Entwicklungsvorsprung. wie sich das auswirkt? Ausfahrt mit Prius und RAV4

Hybrid hat sich durchgesetzt. Die Zweifler lagen 1997 beim ersten Hybridauto („viel zu teuer“) ähnlich falsch wie Kaiser Wilhelm II. um 1900 beim ersten Auto („Ich glaube an das Pferd“). Und 20 Jahre nach der Premiere des Prius drückt der Pionier weiter aufs Gas: Während die Konkurrenz nachziehen will, aber am Anfang steht, nutzt Toyota seinen Entwicklungsvorsprung jetzt voll aus.

Vom teuren Antrieb zur Zukunftstechnik

Kaizen heißt die Toyota-Philosophie der ständigen Verbesserung in kleinen Schritten und sie hat ihr enormes Potenzial wohl selten so deutlich gemacht wie beim Hybridantrieb: Dass sich Hybrid von der kostspieligen, komplizierten Antriebsart zur millionenfach verkauften Zukunftstechnik entwickelt hat, ist der Geduld von Toyota und seinen Ingenieuren geschuldet. Über vier Prius-Generationen hinweg haben sie seit 1997 jedes Detail tausendfach optimiert, um in Summe einen großen Schritt zu schaffen: den weltweiten Durchbruch des Hybridantriebs. Im neuen Modell wirkt sich diese Arbeit besonders stark aus. Ein gutes Beispiel ist der Benzinmotor des Hybridantriebs: Obwohl Hubraum und Grundkonzept unverändert blieben, hat sich das Leistungspotenzial enorm gesteigert. Der Wirkungsgrad von 40 Prozent ist sogar neuer Weltrekord für Benziner – diese Effizienz haben bisher nur Dieselmotoren erreicht. Die Hybridbatterie ist ein weiteres Beispiel: Auch sie bleibt ihrer Technologie treu, aber die Energiespeicher sind kompakter, leistungsstärker und langlebiger geworden. Und die Kaizen-Liste des neuen Prius ließe sich lange fortführen.

Hybrid erreicht nächstes Komfortlevel

Wie die Passagiere das neue komfortlevel spüren? Indem sie kaum etwas spüren. Der Prius gleitet oft lautlos dahin.

Zwar haben sich alle Prius gegenüber ihrem Vorgänger stark verbessert, aber nie war der Fortschritt so groß wie jetzt: Die vierte Generation des Hybridpioniers hebt Hybrid auf einen völlig neuen Level. Wie die Passagiere das spüren? Indem sie kaum etwas spüren. Weitgehend lautlos gleitet der Prius durch den normalen Stadtverkehr, weil sein Benzinmotor kaum gefordert oder ganz abgeschaltet ist. Wenn sich der Benzinmotor beim Beschleunigen dazwischen kurz meldet, tut er das äußerst kultiviert: Geräusch- und Vibrationsaufkommen wurden im urbanen Bereich auf ein Minimum reduziert. Im Vergleich zu den Dieselfahrzeugen dieser Klasse ist das eine andere Welt. Auch draußen auf den Landstraßen bleibt der Prius zunächst ein entspannter Gleiter, dessen leiser Antrieb wenig von sich hören lässt, aber flott mit dem Verkehr mitschwimmt. Nicht umsonst hat sich der Drehzahlbereich, in dem allein der Elektromotor für Vortrieb sorgt, um 60 Prozent erhöht.

Hightech macht den Prius sportlich

Wenn Überholmanöver anstehen, ist der Antrieb natürlich kurz präsenter, aber meistens nicht so stark wie bei gleich starken Dieselmotoren, die man gerade ausdreht. Spätestens in diesen dynamischen Fahrsituationen merkt man, dass 122 PS Systemleistung dem leichtgewichtigen Prius genügen und spürt deutlich: Der Prius IV ist nicht nur viel komfortabler, sondern auch sportlicher geworden. Jede Bewegung des Gaspedals quittiert der Prius mit einer direkten Rückmeldung. Jede Lenkbewegung mit einer genauen Richtungsänderung. Dass der neue Prius das Drehmoment des E-Motors stärker nutzt, eine deutlich steifere Karosserie und einen viel niedrigeren Schwerpunkt hat, das hat aus ihm ein anderes Auto gemacht. Wer noch etwas mehr will, drückt die Sport-Taste und merkt: Wo Sport draufsteht, ist auch Sport drin, der Prius springt jetzt noch zackiger an.

Schreibt sogar den Dreier vor das Komma

Die Fahrt auf der Autobahn ruft einen optischen Eindruck in Erinnerung und bestätigt ihn: Der neue Prius sieht nicht nur deutlich schnittiger aus, er hat sich auch aerodynamisch enorm verbessert. Zusammen mit dem effizienteren Antrieb schafft das bei 130 km/h einen Fahrkomfort auf dem hohen Niveau der Mittelklasse. Während wir Kilometer machen, ist Zeit, um das Interieur mit der auf Premium-Niveau gesteigerter Materialqualität zu würdigen und nebenbei den Alltagsverbrauch zu bilanzieren: In der Stadt kann der Prius einen Vierer oder sogar Dreier vor das Komma schreiben, auf Landstraßen ebenso. Bei Autobahnfahrten sind Fünf- und Sechs-Liter-Werte üblich. Die Karosserie zeigt sich übrigens ebenso vielseitig: Mit 4,54 Metern Länge bleibt der Prius urbaner als viele Mitbewerber, nutzt die Räume durch die neue Plattform aber geschickt: Mehr Platz für die Passagiere, bequemere Sitze und das auf über 500 Liter gewachsene Kofferraumvolumen machen Generation Vier sehr familienfreundlich. Dazu passt die Sicherheitsoffensive mit sehr vielen Toyota Safety Sense® Features.

Hybridfamilie mit acht Modellen

Urbane Klasse, kompakte Allrounder, klassische Mittelkasse, großer Van, Familien- und City-SUVs, E-Auto-Alternative. Das Hybridangebot ist breit geworden.

Der Umstieg in den RAV4 macht deutlich, wie breit das Hybridangebot bei Toyota geworden ist. Wie bei Diesel- und Benzinmotoren gibt es auch bei Hybrid eine ganze Palette von Antrieben. Während im Prius ein 1,8-Liter-Benziner mit dem Elektromotor kombiniert ist, ist es im größeren RAV4 Hybrid ein 2,5-Liter-Benziner, das hebt die Systemleistung auf sportliche 97 PS. Die technische Verwandtschaft mit Lexus ruft in Erinnerung, dass es bei der Premiummarke auch bereits acht Hybridmodelle gibt. Genauso viele wie bei Toyota, wo es mit dem Yaris Hybrid bereits in der urbanen Klasse losgeht. Gefolgt vom Auris Hybrid, einem klassischen Allrounder, und vom Auris Touring Sports Hybrid mit seinem unschlagbaren Preis-Laderaum-Verhältnis. Noch familiärer zeigt sich Hybrid im Kompaktvan Prius+, während der normale Prius formal die klassische Mittelklasse vertritt, aber vor allem Technologieträger und Stilikone ist, deren Anhängerschaft bis nach Hollywood reicht. Mit dem aufladbaren Prius Plug-in Hybrid, der bis zu 63 Kilometer elektrisch fährt, bietet sich Hybrid auch als sinnvolle Alternative zu Elektroautos an, weil es keine Probleme mit der Reichweite gibt. Und mit dem neuen C-HR Hybrid gibt es ein urbanes SUV mit spektakulärem Coupé-Design, somit schließt sich der Kreis zum Familien-SUV RAV4 Hybrid mit seinem rekordverdächtig großen Laderaum.

Hybridanteil: früherer Exot wird erste Wahl

In allen Baureihen liegt Toyotas Hybridanteil übrigens bereits über einem Drittel, manchmal sogar über der Hälfte. Während die Benzinmotoren mit besonders günstigen Einstiegspreisen glänzen und sich der Diesel weiter bei sehr vielen Autobahnkilometern bewährt, entwickelt sich Hybrid immer stärker zum komfortablen Angebot der Mitte. Damit kehren sich schön langsam die Verhältnisse um: Vor 20 Jahren war Hybrid exotisch, bald werden es wohl Diesel und Benziner sein.

Fotos: Kurt Pinter

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